Epilepsie beim Border Collie


Epilepsie definiert sich durch mindestens zwei spontane Krampfanfälle bei denen eine Ursache nicht erkenntlich ist. Eine Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn ist hierbei die Ursache. Zunächst einmal unterscheidet man idiopathische (primäre) und symptomatische (sekundäre) Epilepsie. Bei idiopathischer Epilepsie sind keinerlei Störungen des Gehirns außerhalb eines Anfalls nachweisbar. Meist liegt hier eine genetische Komponente vor.

Bei symptomatischer Epilepsie kommt es auf Grund von Erkrankungen zu epileptiformen Anfällen.


Eine weitere Unterscheidung ist in der Art der Anfälle.

Man unterscheidet zum einen zwischen einem leichten (petit mal) oder schweren (grand mal) Krampfanfall und zum anderen zwischen fokalen (auf bestimmte Körperareale begrenzt) und generalisierten Anfällen. Jeder Anfall sensibilisiert das betroffene Hirnareal für weitere Anfälle, dass die Reizbarkeit der Neuronen erhöht wird und die Wahrscheinlichkeit, weitere Anfälle zu erleiden steigt!


Auf Grund von plötzlich Auftretenden gleichzeitigen Entladungen von Neuronengruppen im Gehirn kommt es zu unwillkürlichen, stereotypen Verhaltens- oder Befindungsstörungen.
Durch die Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn entsteht ein Krampfanfall der zu Muskelkontraktionen, Beinrudern, Zittern und Gesichtszucken führen kann. Während des Krampfanfalles kommt es vor das die Hunde Wasser oder Stuhl verlieren und sabbern. Wichtig ist auch das Hunde, die im Rudel gehalten werden, wenn sie im Beisein anderer Hunde krampfen, oft von diesen Attackiert werden und es zu schweren Verletzungen kommen kann. Es liegt die Vermutung nahe, dass einige Verhaltensstörungen beim Border Collie durchaus auch eine Form eines epileptiformen Anfalls sind.

Erkrankungen die keine genetische Ursache haben sind z.B.:

Unterzuckerung
Störungen im Elektrolythaushalt
Hirnhautentzündungen
Vergiftungen
Hitzeschäden
Folge eines Unfalls mit neurologischer Verletzung


Symptome


Leichter Krampf (petit mal)

Verrußt des Bewusstseins für wenige Sekunden
Kurzes Stolpern
rasendes Graben ohne ersichtlichen Grund
wiederholtes Luftschnappen ect.

Diese Symptome sollten aber abgegrenzt werden von der Aktivität des Hundes.


Schwerer Krampf (grand mal)

Ein schwerer Krampf besteht aus vier Stadien:

Prodomalstadium:

Zeigt sich in einer feinen Wesensänderung, z.B. Starren ins Leere, Schnüffeln. Kann mehrere
Stunden bis Tage dauern, fehlt oft oder wird vor einem Anfall übersehen

Aura:

Änderung des Verhaltens, oft starkes Angstverhalten, z.B. Heulen, Wimmern, Verstecken,
Angst, Unruhe, starke Anhänglichkeit.

Iktus:

Der eigentliche Anfall. Es kommt zum Zusammenbruch, Bewusstseinsverlust, Versteifung
des Körpers, abnorme Muskelaktivitäten, Verlust von Wasser und Stuhl, Sabbern. Der Anfall
kann Sekunden bis Minuten dauern. In wenigen Fällen verbleibt der Hund in diesem
epileptischen Zustand.

Postiktus:
Der Hund ist benommen, verwirrt und hat Probleme beim Stehen beziehungsweise wirkt blind
und es kommt oft zu Erschöpfungssymptomen. Diese Phase kann wiederum Minuten bis
Stunden dauern.

Diagnostik:

Beim Auftreten von Anfällen muss eine symptomatische Epilepsie ausgeschlossen werden.

Die durchzuführenden Untersuchungen im Verdachtsfall bei Epilepsie sind:

  • Untersuchung des roten Blutbildes, Allgemeinuntersuchung und Kreislaufuntersuchung
  • Untersuchung des weißen Blutbildes, Allgemeinuntersuchung, Fiebermessen
  • Schädelfrakturen und Verletzungen nach Unfällen ausschließen, Vorbericht erfragen
  • Anomalien des Kopfes, z.B. angeborene Defekte wie Hydrozephalus(Wasserkopf)
  • metabolisch-toxische Krankheiten:
  • idiopathische Erkrankungen des ZNS, z.B. funktionelle Störungen durch Tetanustoxin, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Diabetes mellitus), der Niere, der Leber oder der Schilddrüse
  • Neoplasien d.h. Tumore
  • Degenerative Erkrankungen: erworbene oder ererbte Speicherkrankheiten des Zentralnervensystems (ZNS) beim Border Collie wie z.B. die CL Ceroid Lipofuszinose (Gentest vorhanden)

 

Im Einzelnen heißt das Blutuntersuchungen, Ultraschall des Bauchraumes, Röntgen und ein CT sind erforderlich. Auch trotz der finanziellen Aspekte bei der Diagnostik einer evtl. Epilepsie ist es sehr ratsam diese durchzuführen da diese auch für den entsprechenden Züchter wichtig ist und auch Konsequenzen erfordert.

Therapie:

Zur Therapie wird in der Regel Phenobarbital, eine Barbiturat eingesetzt. Ein weiteres Präparat das zum Einsatz kommt ist Kaliumbromid, ein Antiepileptikum.

Die Dosis ist individuell und muss auf den jeweiligen Hund abgestimmt werden.

Zur Unterbrechung eines epileptischen Anfalls ist in der Regel Valium (Diazepam). Es wird gespritzt oder rektal gegeben.

70% aller befallenen Hunde sind Therapieresistent!

Genetik und Zucht:

Beim BC liegt die Disposition, also die Möglichkeit an Epilepsie zu erkranken bei etwa 15%. Reinrassige Hunde sind dabei öfter betroffen als Mischlinge. Auch spielen Inzuchtkoeffizient und Ahnenverlußtwert eine Rolle.

Für Züchter sei jedoch gesagt dass ein so genannter „outcross“ keine Garantie für gesunde Hunde ist!

 

Nach derzeitigen Studien handelt es sich beim Border Collie vermutlich um einen polygenen, rezessiven Erbgang. Soll heißen, nicht ein Gen sondern mehrere sind daran beteiligt, dass ein Hund erkrankt. Auf Grund dessen ist ein Gentest für Epilepsie auch auf längere sicht nicht zu erwarten.

 

Die Studie der Uni München besagt, das 67,5% der eingesandten Proben von erkrankten Hunden auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen!

74% der Hunde erkrankten zwischen dem 1. und 5. Lebensjahr. 18% vor dem 1.Lebensjahr und nur 8% waren älter als 5 Jahre.

Es gibt keine geschlechtliche Häufung. Rüden und Hündinnen sind gleicher maßen betroffen. Eine Kastration hat keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Was kann man tun?

 

Das wohl wichtigste ist ein offener Umgang mit dem Thema Epilepsie.

Die Einstellung alles zu ignorieren und tot zu schweigen hat letztlich zu einer solch immensen Problematik beim Border Collie geführt, wie sie zurzeit vorliegt.

Züchter sollten Epilepsiebefallene Hunde auch Ihren Webseiten veröffentlichen und im Zuchtbuch eintragen lassen. Auch sollte eine Aufklärung potentieller Welpenkäufer erfolgen, denn es sei noch mal ganz klar gesagt: es gibt keine freien Linien! Alle Linien haben früher oder später Epileptiker oder Träger für Epilepsie in ihren Linien. Ganz gleich ob Show- oder Arbeitslinie!

Des Weiteren sind inzwischen online Datenbanken von befallenen Hunden online. Auch dort sollten verantwortungsvolle Züchter und auch Besitzer ihre Hunde eintragen lassen.

 

Professor Jaggy, Neurologe der Med. Vet. Uni Bern empfiehlt einen Ausschluss von Eltern und Wurfgeschwistern eines befallenen Hundes.

Sieht man sich die bisher veröffentlichten Hunde und Ihre Eltern bzw. Geschwister an, so wird es, sofern man dieser Empfehlung folgt schnell zu einem eingeschränkten Genpool der Rasse Border Collie kommen. Außerdem steht zur Befürchtung, das bei einem Zuchtverbot bei Epilepsie in der Nachzucht, befallene Hunde nicht mehr veröffentlicht werden und das Problem noch vergrößert wird.

 

Bitte, tragen Sie ihre Hunde in den Datenbanken ein, veröffentlichen Sie befallene Hunde. Nur so hat die Rasse Border Collie auch eine gesunde Zukunft vor sich!

 

Quellen:

www.abcdev.de/artikel/Gierling_Sandra_Epilepsie_beim_BorderCollie.pdf

www.genetics.unibe.ch/content/index_ger.html

www.med.vetmed.uni-muenchen.de

http://www.research.med.helsinki.fi

 

 

Datenbanken:

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Schweden

Niederlande

Italien

 

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